

Quo vadis? Diese Frage könnten wir aktuell im Grunde an fast alles richten: Gesellschaft, Ökonomie, Arbeitswelt etc. - wohin gehst Du?
Auf der #cebiteda17 adressieren wir das Quo Vadis an das Knowledge Management, und heute noch konkreter an Dr. Stefan Rehm, Präsident der Gesellschaft für Wissensmanagement e. V.
Dr. Rehm ist Teilnehmer des Panels "Knowledge Management - Quo vadis" am 21.03.17. und hat uns jetzt schon Fragen beantwortet.
Welche drei Schlagworte bringen Sie zur #cebiteda17 mit?
#Musterbrüche #Entgrenzung #Verantwortung
In Ihrem Flyer „Wissensmanagement - Vom Begriff zum Nutzen“ wird die Verantwortlichkeit eines Wissensmanagers dahingehend beschrieben, Informations- und Wissensflüsse in einer Unternehmung oder Organisation zu organisieren. Inwieweit wird diese Verantwortung künftig z. B. durch Künstliche Intelligenz übernommen werden?
Künstliche Intelligenz und Maschinenlernen kann Komplexitäten darstellen oder gar lösen, aus BigData oder einem diversen Informationspool Schlüsse ziehen, kann insbesondere linear-logische Zusammenhänge erschließen. Verantwortung im besten Sinn zu übernehmen bedeutet aber vor allem auch, menschlich zu handeln und zu interagieren.
Folgt man den Beschreibungen aus Germany 2064 von Martin Walker, so wird selbst dieses erreicht. Dennoch bin ich überzeugt, dass sich das, was einen Menschen ausmacht - weit mehr als 80% verborgenen Wissens, Intuition und 100 Mrd. Neuronen die mit 5 Mrd Bit/sec. feuern - nicht darstellen lässt: Menschliche Antworten und Entscheidungen sind auf der wahrnehmbaren Eben nicht zwingend linear-logisch und können dennoch klug und dadurch gerade verantwortungsvoll sein, auch insbesondere im Hinblick auf die Gestaltung von Wissensflüssen. Immerhin sitzt Wissen zwischen zwei Ohren!
Knowledge Management sei, so ist vielfach zu lesen, in einer Wissensgesellschaft unverzichtbar. Allerdings sind die Definitionen, was unter einer Wissensgesellschaft verstanden wird, bereits in die Jahre gekommen. Welches Verständnis einer Wissensgesellschaft im digitalen Zeitalter legen Sie zugrunde?
Was mit dem Begriff der Wissensgesellschaft beschrieben wird ist, dass Strukturen und Prozesse der materiellen Entwicklung einer Gesellschaft von wissensabhängigen Operationen durchdrungen sind und Wissen der entscheidende Produktionsfaktor in einer Volkswirtschaft ist. Gleichzeitige referenziert es auf eine zunehmende Anzahl von Wissensarbeitern, deren Tätigkeiten dadurch charakterisiert sind, dass einmal erworbenes Fachwissen nicht ausreicht, sondern relevantes Wissen kontinuierlich revidiert und permanent als verbesserungsfähig angesehen wird. Dabei wird Wissen nicht als Wahrheit betrachtet, sondern als Ressource.
Im digitalen Zeitalter verändert sich diese Beschreibung nicht, doch ermöglichen digitale Prozesse schnellere Abläufe, ggf. zielgerichteteres Handeln und damit bestmöglich eine höhere Produktivität.
Welche Auswirkungen hat dieses Verständnis für die Wissensarbeiter und das Knowledge Management im Unternehmen?
Grenzenlose Beschleunigung, zunehmende Komplexitäten und eine hohe Volatilität unserer System sind heute schon vielfach nicht mehr menschgerecht. Sie fordern oder überfordern uns und die Leistungsfähigkeit sinkt.
Knowledge Management ist dabei heute bei weiterem nicht mehr nur der systematische Einsatz von bekannter Technik und Methoden, um immaterielles Vermögen zu identifizieren, zu entwickeln, zu verteilen und zu bewahren. Denn Wissen an sich ist wertlos.
Erst ein Kontextbezug, in dem Wissen in konkrete Handlung überführt wird, verleiht Wissen Glanz. Diese Ermöglichungsräume zu schaffen und auszugestalten über Ansätze des Knowledge Experience Designs oder der Knowledge Architecture sind Aufgaben des Wissensmanagements.
Das Profil wandelt sich von Methodenkompetenz hin zu Moderation und eigener Kreativität.
Welche Erwartungen haben Sie an die #cebiteda17?
Ich möchte es nicht als Erwartung formulieren, doch vielleicht aber als Wunsch: Gerade hier, auf der Cebit, dem Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation, wo gezeigt wird, was Technologie und Digitalisierung heute schon und morgen erst recht alles leisten können, sollte stets auch - trotz großer Begeisterung - nicht vergessen werden, dass Technik dem Menschen und unseren Gesellschaften dienen soll. Technologie ist eine Werkzeug und soll dieses aus meiner Sicht auch bleiben.
Vielen Dank, Herr Dr. Rehm.
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