
Auf der VOICES Berlin am 29. und 30. April hat Staffbase die Weiterentwicklung seiner KI-nativen Employee Experience Platform in den Mittelpunkt gestellt. Das Leitmotiv „The Human Edge in the AI Era" markiert aus unserer Sicht eine wichtige Richtungsverschiebung für Employee Communications und Engagement Management: Vertrauen in Informationen wird zur zentralen Voraussetzung für wirksame Kommunikation. Denn wenn die Erstellung und Ausspielung von Inhalten durch KI deutlich einfacher wird, entsteht der eigentliche Engpass nicht mehr bei der Content-Produktion. Er entsteht bei Qualität, Kontext, Verlässlichkeit und Governance.
Damit verändert sich auch die Art und Weise, wie Mitarbeitende Informationen suchen und nutzen. Entwicklungen im öffentlichen Suchverhalten zeigen bereits, dass immer mehr Suchvorgänge direkt mit einer Antwort enden, ohne dass Menschen auf weitere Quellen klicken. BrightEdge beschreibt rund um AI Overviews deutlich steigende Suchimpressionen, während SparkToro und Datos auf hohe Zero-Click-Anteile bei Google-Suchen hinweisen. Dieses Muster lässt sich auf den betrieblichen Kontext übertragen: Mitarbeitende erwarten nicht mehr primär eine Navigationsstruktur, über die sie sich zur richtigen Information durcharbeiten. Sie erwarten eine direkte, verständliche und verlässliche Antwort auf ihre konkrete Frage im passenden Moment.
Genau hier liegt die eigentliche Herausforderung vieler KI-Initiativen. Eine MIT-NANDA-Untersuchung zu Enterprise GenAI zeigt, dass nur ein kleiner Teil der untersuchten Projekte messbare Wirkung erzielt. Die Werkzeuge fehlen also selten. Häufiger fehlt die organisatorische und inhaltliche Grundlage, auf der KI verlässlich arbeiten kann. Für Employee Platforms bedeutet das: Eine KI-Funktion ist nur so belastbar wie die Inhalte, Regeln und Verantwortlichkeiten, aus denen sie ihre Antworten ableitet.
Verschiebung des Funktionskern bei Employee App Plattformen
Die Entwicklung von Employee Platforms lässt sich am Beispiel Staffbase gut nachvollziehen. In der ersten Phase stand der mobile Zugang im Vordergrund: eine App, über die Frontline Worker und Mitarbeitende ohne festen Bildschirmarbeitsplatz Inhalte aus dem Unternehmen erreichen konnten. Für viele Organisationen war das ein wichtiger Fortschritt. Erstmals entstand ein digitaler Berührungspunkt für Teile der Belegschaft, die über klassische Intranets, E-Mail-Verteiler oder Desktop-Anwendungen nur schwer erreichbar waren.

In der zweiten Phase zog das Thema "soziale Interaktionen" und Engagement in die Plattformen ein. Was von Social Networks und Social Intranets für Desktop-Worker verfügbar war, sollte nun auch für alle Mitarbeiter zugänglich werden. Im Mittelpunkt dieses Konzeptfokus lag das unternehmensweite Engagement-Management. Mitarbeitende konnten kommentieren, eigene Beiträge einbringen und Inhalte mitgestalten. Die Plattform wurde damit nicht nur zum Ausspielkanal, sondern zu einem Kommunikationsraum mit Rückkanal. Für Kommunikations- und Redaktionsteams bedeutete das mehr Abstimmung, mehr Moderationsbedarf und mehr Aufwand. Gleichzeitig entstand mehr Resonanz. Kommunikation wurde sichtbarer, anschlussfähiger und stärker in den Arbeitsalltag eingebunden.
Mit der dritten Phase ändert sich die Grundlogik. Bei Staffbase wird das Thema mit dem Begriff "Employee AI" betitelt und als KI-native Plattformlogik beschrieben, die Kommunikation, HR und IT stärker verbinden soll. Zu den angekündigten Funktionen gehören ein AI-nativer Assistent, hyper-personalisierte Podcasts und AI-gestützte Qualitätsprüfungen von Inhalten. Diese Funktionen stehen nicht nur für neue Bedienoberflächen. Sie verschieben den Anspruch der Plattform: weg von reiner Verteilung und Beteiligung, hin zu verlässlicher Informationsnutzung, individueller Aufbereitung und automatisierter Pflege der Wissensbasis.
Vertrauen als Voraussetzung, nicht als Ergebnis
In seiner Keynote auf der VOICES beschreibt Martin Böhringer (CEO von Staffbase), wie sich gerade der Anspruch für die Bewertung von Kommunikation im Unternehmen verschiebt: von Reichweite zu Vertrauen. Denn aus seiner Sicht gilt, dass eine kommunizierte Information im Unternehmenskontext (und eigentlich auch darüber hinaus) nicht nur “fast richtig”, sondern belastbar richtig sein muss.
Das klingt zunächst wie ein Kommunikationsziel. In der Praxis ist es eine technische, redaktionelle und organisatorische Anforderung. Wenn eine Plattform Fragen von Mitarbeitenden direkt unter Einsatz von KI beantwortet, müssen die Antworten belegbar und belastbar sein. Dafür braucht es klare Quellen, gepflegte Inhalte, definierte Verantwortlichkeiten und eine Governance, die nicht erst nach der Veröffentlichung ansetzt.
Für Organisationen, die Employee Platforms betreiben, heißt das: Wer KI-gestützte Antwortfunktionen einführen will, muss zuerst klären, welche Inhalte als verlässliche Grundlage dienen sollen. Veraltete, widersprüchliche oder unvollständige Inhaltsbestände erzeugen Antworten, denen Mitarbeitende nicht vertrauen können. Das Vertrauensproblem ist damit nicht nur ein KI-Problem. Es ist vor allem ein Content-, Governance- und Betriebsmodellproblem. Genau an dieser Stelle wachsen interne Kommunikation, Wissensmanagement, HR-Services und IT enger zusammen.
Was das für die Praxis bedeutet
Die Entwicklung von Staffbase zeigt, dass Employee Platforms zunehmend zu einer Infrastruktur für betriebliche Orientierung werden. Sie unterstützen nicht mehr nur interne Kommunikation, sondern auch die Frage, wie Mitarbeitende im Arbeitsalltag zu verlässlichen Informationen, passenden Services und nächsten Handlungsschritten kommen. Ob eine Organisation davon profitiert, hängt deshalb weniger von einzelnen KI-Funktionen ab. Entscheidend sind die Qualität der Inhalte, die Klarheit der Governance und das Verständnis dafür, welche Fragen Mitarbeitende tatsächlich stellen.
Wie Wissensmanagement und interne Kommunikation in diesem Kontext zusammenwachsen, haben wir in Quergelesen #002 bereits aufgegriffen. Der aktuelle VOICES-Kontext von Staffbase ist ein konkreter Anlass, diese Frage für die eigene Organisation weiterzudenken. Denn mit KI-nativen Plattformen verschiebt sich der Schwerpunkt: Nicht mehr die Plattform als Kanal steht im Mittelpunkt, sondern die Plattform als verlässliche Antwort- und Orientierungsschicht für die tägliche Arbeit.
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