
„AI is working. Collaboration is struggling." Mit dieser These sind wir am 11. Februar in das Digital Work FORUM 2026 gestartet. KI steigert individuelle Produktivität — das ist inzwischen belegt. Aber Organisationen spüren mehr Reibung, nicht weniger. Der Engpass hat sich verschoben: nicht mehr bei Tools oder Trainings, sondern dort, wo KI zum Einsatz in der kollektiven Zusammenarbeit kommt.
Die zehn Beiträge des Konferenztages haben das bestätigt. Die Qualität der KI-Antworten ist nicht das Problem. Die Qualität der Zusammenarbeit, in die sie einfließen, schon.
Der "Nach-wie-vor" Engpass: Die Zusammenarbeitskultur im KI-Zeitalter
Die KI-Diskussion setzt immer wieder bei der individuellen Produktivität und der individuellen Wissens- bzw. Kompetenzbefähigung an. Wer einzelne Mitarbeitende mit Copilot oder ähnlichen Tools ausstattet und sie in ihrer Nutzung dieser Werkzeuge anleitet, löst ein Problem. Aber er erzeugt damit auch das nächste: Denn Organisationen funktionieren nicht als Aggregat von Einzelleistungen.
Cerys Hearsey (Postshift) hat dafür einen Begriff mitgebracht, der hängenbleibt: Transformational Debt — die aufgehäuften Schulden von Organisationen, die in Technologie investiert haben, aber nicht in die soziale bzw. kollaborative Infrastruktur. Auch wenn wir hier schon seit einer gefühlten Ewigkeit über andere Formen der Zusammenarbeit und der dahinterliegenden Kultur sprechen, so fehlen doch vielfach die gemeinsamen Praktiken, Vertrauensgrundlagen und Zusammenarbeitsroutinen, die KI erst wirksam machen. Diese Schulden häufen sich still an. Und werden irgendwann fällig.
Den Engpass haben wir schon öfters beschrieben, die Diskussionen des Konferenztages haben ihn wieder unterstrichen:
- Der nächste Engpass der KI-Adoption liegt in der Zusammenarbeit
- KI-Herausforderungen für verteilte Zusammenarbeit
Aus der Vergangenheit lernen und für die KI Adoption & Change richtig machen
Wir waren sehr glücklich über die Praxisberichte, die wir diesmal wieder diskutieren konnten. Sie zeigten, dass wir mit dem Knowhow aus vergangenen ACM-Projekten doch einiges richtig machen können.
Kim England-Godber (Pearson) berichtete von 400 AI Ambassadors, die als dezentrales Netz agieren, ohne zentrale Steuerung. Das Leitprinzip: Augmentation statt Automation — KI als Erweiterung menschlicher Kompetenz, Ambassadors als Multiplikatoren in Abteilungen und Teams. Insbesondere das Knowhow zur erfolgreichen Skalierung über das Ambassador-Programm kommt hier klar aus vergangenen Kollaborationsprojekten, die sie auch schon im Rahmen unseres ehemaligen Enterprise Digital SUMMITs in London geteilt hat.
Ainsleigh Walker (EcoVadis) hat gezeigt, was vor der KI-Nutzung kommen muss: Struktur. Die Knowledge-Management-Plattform, die EcoVadis nach einem MVP-Prinzip aufgebaut hat, folgt einer einfachen Logik — Wissen wird erst dann maschinell nutzbar, wenn es sichtbar und zugänglich ist. Knowledge Champions in jeder Abteilung sichern die Kontinuität. Hier ist es die Knowledge Mastery, die als Hebel im kollaborativen Kontext skaliert wird.
Einen unerwarteten Adoption-Hebel hat Alexandra Junke (tesa SE) beschrieben: Der EU AI Act zwingt zu verpflichtendem Training für KI-Nutzende. Was zunächst wie Compliance-Aufwand klingt, wird zum echten Adoption-Hebel. Der regulatorische Rahmen schafft intern, was sonst fehlt. Und auch hier ist anzumerken, dass Alexandra schon viel Erfahrung im Bereich der MS Office/Teams Adoption sammeln konnte und da den direkten Vergleich ziehen kann, welche Wirkung eine solche Verpflichtung beim Management-Support entfaltet.
Und während wir uns bei der KI Adoption wieder vor allem mit den Wissensarbeitern beschäftigen, gilt es auch die Zahl im Blick zu behalten, die Patrick Hiebert (LumApps) in seinem Vortrag ins Spiel gebracht hat: 80 Prozent der weltweiten Beschäftigten haben keinen regulären Desktop-Zugang. Ein Employee Hub, der diese Gruppen einbindet, liefert nachweislich 33 Prozent Produktivitätszuwachs — durch schlichte Erreichbarkeit.
Dazu haben wir hier schon einiges geschrieben:
- Digital Work Adoption
- Von Teams zu Copilot
- Governance für Copilot & Co.
- Change-Frameworks für Digital Work
Architektur und Führung als Grundlage
Neben dem notwendigen kollaborativen Shift im Rahmen von systematischer Adoption & Change Arbeit standen an dem Tag noch zwei weitere Punkte auf der Agenda: a. die robuste Informationsarchitektur (worauf KI @ Work überhaupt erst funktionieren kann) und b. das Mindset bei Mitarbeitern und v.a. bei Führung.
Julian Bahrs (IPI GmbH) hat die Renaissance des Intranets ausgerufen — als Erkenntnis: Wer KI-gestützte Arbeit ermöglichen will, braucht zugängliche Informationsarchitekturen. Das Intranet ist nicht obsolet; es wird zur Voraussetzung. Harald Schirmer und Felix Schröder haben das ergänzt: 80 bis 90 Prozent der Unternehmensdaten sind unstrukturiert. Wer das nicht adressiert, bevor KI auf diese Daten losgelassen wird, baut auf Sand.
Alexander Klier (ESBYTE) hat den strukturellen Befund des Tages noch einmal scharf formuliert: Arbeitssysteme sind nicht für KI-generierte Inputs gebaut. Plattformen verstärken Fragmentierung, wo Kohärenz gebraucht würde. Governance hinkt der Praxis hinterher. Führungsmodelle sind noch pre-AI. Vier Punkte, die erklären, warum der Engpass dort entsteht, wo Arbeit kollektiv wird.
Im Abschlusspanel haben wir diskutiert, was sich auf der Führungsebene verändern muss. Das Ergebnis: Führung in der KI-Ära bedeutet Raumgestaltung, nicht Kontrolle. Ermöglichen, Rahmen setzen, Verantwortung beim Menschen belassen. Keine KI entscheidet, was in Organisationen gilt. Diese Klarheit war kein Konsens — sie war ein Ausgangspunkt.
- Digital Work & Collaborative Work
- Organizational Enablement & Change
- Leadership, Culture & Organization Design
Fokus auf der Kalibrierung der KI @ Work Adoption
Gestartet mit meinem "Täglich grüßt das Murmeltier"-Verweis was das Digital Work FORUM dann ein "Kalibrierungstag" zu den Fokusthemen für die Adoption und den Change bei der KI @ Work Einführung.
Kollektive Befähigung darf kein theoretisches Konzept bleiben. Die Praxisberichte von Pearson, EcoVadis und tesa SE zeigen: Wer konsequent in kollaborative Infrastruktur und den Aufbau von Wissen investiert, sieht Ergebnisse. Wer das nicht tut, häuft einen "Transformational Debt" an. Irgendwann sind diese Schulden fällig.
Eine Antwort gibt es nicht. Dafür konkrete Wege, die Organisationen bereits gehen — und die wir am 11. Februar gesehen haben.
Alle Sessions des Digital Work FORUMs gibt es in der Mediathek.
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