Microsoft 365 Copilot war lange vor allem eines: ein Assistent innerhalb der eigenen App-Welt, der Mails zusammenfasst, Dokumente entwirft, Meetings protokolliert. 2026 verschiebt sich das Bild. Copilot wird selbst zur Andockstelle für fremde Software, und gleichzeitig baut Microsoft eine eigene Steuerungsschicht darüber, mit der sich all diese Agenten überwachen lassen. Wer im Arbeitsalltag relevant bleiben will, kommt an diesem Ökosystem kaum noch vorbei.
Zwei Bewegungen laufen dabei parallel: fremde Tools docken an Copilot an, und Microsoft selbst baut die Kontrollebene für genau diese Agenten aus.
Fremde Tools ziehen in den Copilot-Chat ein
Am 13. April 2026 hat Microsoft in seinem 365-Blog eine Liste von elf Partner-Apps veröffentlicht, die künftig direkt aus dem Copilot-Chat heraus nutzbar sind, nicht nur verlinkt: Adobe Express, Acrobat (angekündigt), Base44, Box, Canva, Coursera, Figma, Miro, Monday.com, Optimizely und Wix. Wer in Figma etwas skizziert oder in Monday.com eine Aufgabe anlegt, muss dafür Copilot nicht mehr verlassen. Das ist mehr als eine Komfortfunktion. Es verschiebt, wo Arbeit tatsächlich stattfindet, nämlich zunehmend im Chat-Fenster, nicht mehr in der jeweiligen Fachanwendung.
Ein deutscher Anbieter zeigt, wie ernst dieses Andocken gemeint ist. Staffbase aus Chemnitz hat im Februar 2026 offiziell einen eigenen Agenten für Microsoft 365 Copilot angekündigt, der Staffbase-Newsartikel direkt in Copilot auffindbar macht, mit Quellenlinks, Zusammenfassung und Übersetzung. Für einen Mitarbeiterkommunikations-Anbieter aus der DACH-Region ist das keine Randnotiz. Es zeigt, dass sich auch mittelgroße europäische Softwarehäuser strukturiert in Microsofts Ökosystem einklinken, nicht nur die üblichen US-Konzerne.
Microsoft baut selbst die Kontrollebene
Je mehr Agenten in einem Unternehmen laufen, intern gebaute genauso wie Copilot-Partner-Apps, desto drängender wird die Frage, wer sie eigentlich überwacht. ServiceNow beantwortet einen Teil davon schon länger: Now Assist ist seit dem Xanadu-Release 2024 mit Copilot verzahnt, Copilot kann Mitarbeiteranfragen aus Teams direkt an ServiceNow übergeben, inklusive Eskalation an menschliche Kollegen, und wird laut Microsofts eigenen Release Notes laufend um feinere Zugriffsrechte erweitert.
Microsoft selbst hat am 1. Mai 2026 nachgezogen. Agent 365 ist seitdem allgemein verfügbar, eine Kontrollebene, die Agenten über das gesamte Microsoft-365-Ökosystem hinweg sichtbar macht, absichert und steuert, unabhängig davon, ob sie mit delegierten Nutzerrechten oder eigenen Zugangsdaten laufen. Bemerkenswert dabei: Agent 365 bleibt nicht bei Microsofts eigener Cloud stehen, sondern synchronisiert im Preview auch Agenten aus AWS Bedrock und Google Cloud in dasselbe Inventar. Damit positioniert Microsoft Copilot als die Stelle, an der Governance-Entscheidungen über Agenten getroffen werden, auch über die eigene Plattform hinaus.
Governance-Frage statt Lizenzfrage
ServiceNow und Microsoft Agent 365 lösen dasselbe Problem aus unterschiedlichen Richtungen, das eine als etablierter Drittanbieter, das andere als Microsofts eigene Antwort. Für IT- und Compliance-Verantwortliche verschiebt sich damit die eigentliche Aufgabe. Es reicht nicht mehr, zu entscheiden, welches Tool ein Team nutzen darf. Es braucht eine Antwort darauf, wer sichtbar macht, welche Agenten überhaupt laufen, und wer eingreift, wenn einer davon außerhalb seines vorgesehenen Rahmens handelt.
Celonis liefert dafür ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Die Process-Intelligence-Agenten des Anbieters laufen inzwischen über Copilot Studio, gespeist aus Prozessdaten, die vorher nur Celonis selbst zur Verfügung standen. Auch das ist ein Andocken an die Copilot-Plattform, nicht mehr an eine isolierte Punktlösung.
Wer sich mit Adoption und Enablement beschäftigt, kennt das Muster aus der Verschiebung von Teams zu Copilot: neue Werkzeuge verändern dort vor allem, wie Menschen über ihre Arbeit denken. Bei der Governance-Frage rund um Copilot geht es genau darum: klare Spielregeln, bevor die Tool-Vielfalt zum Kontrollverlust wird. Und dieselbe Frage taucht auch auf, wenn wir über Frontier Firms und neue Organisationsformen nachdenken.
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